Seit 19 Jahren betreibe ich neben allen anderen Tätigkeiten im Bereich Fahrdienst
und Personenbeförderung ein Taxiunternehmen und Mietwagenunternehmen in München.
Ich will hier keine langweilige Auflistung meiner Stationen im Gewerbe aufzählen, die
Liste wäre umso umfangreicher je weiter sie mit Details gefüttert wird.
Persönlichkeiten, besonders im Geschäftsleben werden geprägt durch einschneidende
Erlebnisse. Solche prägenden, persönlichen Erlebnisse geben mehr Einblick in den
Charakter des Unternehmers und schließlich des Unternehmens.
Im Jahr 2000 betrieb ich mit meinem damaligen sehr zuverlässigen und aufrichtigen
Geschäftspartner einen Taxi und Mietwagenbetrieb mit fünf Taxis und einem
Chauffeurwagen. Unsere Firma lag äußerst günstig in München, in der
Theresienstrasse ( Maxvorstadt - zwischen Hauptbahnhof und Schwabing). Wir hatten im Stamm
14 Fahrer beschäftigt. Anders als die Taxiunternehmen auf dem Land war unsere Hauptaufgabe
die Fahrzeuge unseren Fahrern zur Verfügung zu stellen. Die Entlohnung der Fahrer basierte
auf einem Prämienlohnsystem, d.h. ein Teil des erzielten Umsatzes behielt der Fahrer,
den anderen Teil gab er an das Unternehmen ab. So arbeiten heute noch die meisten Münchener
Taxibetriebe. Das Ergebnis: Wir hatten keine gemeinsame Firma, sondern 14 Einzelkämpfer,
die, obwohl alle fest bei uns angestellt, auf alle sich ergebenden Synergien verzichteten.
Wir kamen uns vor wie Autoverleiher, die ihre Fahrzeuge täglich an die eigenen Fahrer
umsatzabhängig vermieten. Werbung um Fahrgäste wurde kaum betrieben. Soweit zu
den Hintergrundinformationen, die für Branchenfremde und zum Verständnis der Geschichte
interessant sind.
Jetzt das Erlebnis; das Grundstück wurde an einen Bauträger
verkauft. Für uns war klar ein zweites Mal werden wir nicht mehr so eine optimale Lage
finden. Nach eindringlicher Suche fanden wir ein passendes Büro in der Ungererstrasse
(Freimann - Stadtteil im Münchener Norden, Nahe der Auffahrt zur A 9, der Flughafenautobahn)
Das Büro und die Lage sagten uns sehr zu. Besonders die Einbauten des Vormieters;
verschiedene Ebenen, große saubere Duschen, .. gefielen uns. Eigentümer des Objekts
ist eine große Wohnbaugenossenschaft. Es gab einen Termin, bei dem der Vormieter uns den
Vorständen der Wohnbaugenossenschaft vorstellte. Wir waren die einzigen die ihm die
Ablöse für seine Umbauten bezahlt hätten. Deshalb pries er uns dem Gremium richtig
an. Wir freuten uns über unseren eifrigen Mitstreiter. In seiner Lobrede erwähnte
er in einem Nebensatz "... und die Firma hat sich 10 Jahre auf dem Markt bewährt".
Klack ! Da war es ! Sofort schaltete es in meinem Kopf um. Ein Taxiunternehmen in München,
so wie wir und die meisten anderen es führten, hatte nichts davon "sich 10 Jahre
am Markt bewährt" zu haben. Wir hatten keine Kunden, keine Kontakte, keine Projekte
auf die wir Jahr für Jahr aufbauen konnten. Täglich kämpften wir um die Fahrer und
daß die Taxis besetzt waren. Ein Taxiunternehmen kann nach 10 Jahren weniger wert sein
als am Anfang. In meinem Kopf ratterte es, 10 Jahre täglich fleißig gekämpft,
volles Risiko getragen. Jede andere Firma entwickelt sich. Baut Kontakte,
Geschäftsbeziehungen und Kunden auf mit dem Ziel das sich dadurch auch die Sicherheit und
der Wert der Unternehmung steigert. Das waren von diesem Augenblick an meine Überlegungen.
Meine Gedanken kreisten nur noch um die Zukunft. Ich kann mich von da an nicht mehr an
den Verlauf des Gesprächs erinnern.
Dieses Erlebnis führte maßgeblich dazu, daß ich noch in jenem Jahr meine Anteile
an der Handelsgesellschaft an meinen Geschäftspartner verkaufte.
Aufmerksam zuhören, und sich Gedanken über das Gesagte machen ist wichtig.
Aber das alleine führt nicht zum Ziel. Konsequenzen müssen gezogen und umgesetzt
werden. Mit meiner Ehefrau gründete ich ein neues kleines Unternehmen mit einem Taxi
und einem Mietwagen. Wir schworen uns erst zu expandieren wenn wir Kunden hätten.
Das haben wir bis heute erfolgreich durchgesetzt. Wir freuen uns über jeden neuen
Privatkunden den wir zum Flughafen bringen, über jede neue Firma für die
wir der Fahrten durchführen und über jede Veranstalltung unserer Kunden
bei der wir den Fahrdienst meistern.
Wenn doch nur der Vormieter wüsste, was er mit seinem kleinen Nebensatz ausgelöst
hat. Ich bin ihm dafür dankbar.
Ich habe bisher, im Alter von 21 Jahren hatte ich meinen ersten Angestellten, ich war
jahrelang im Prüfungsausschuß, ca. 600 Lebensläufe von Taxifahrern oder Chauffeuren
die bei uns arbeiteten oder sich selbständig machen wollen, gelesen. Auch bei mir
lief der Weg im Gewerbe, vom Aushilfstaxifahrer bis zum Vorstandsposten in einer der
grössten Taxigenossenschaften, mit 1900 Unternehmern und 2800 angeschlossenen Taxis
nicht wie mit dem Lineal gezogen. Solche Erfahrungen führten auch dazu, daß ich mein
Vorstandsamt 2007 wieder zur Verfügung stellte.
Es sind genau diese Erlebnisse die Unternehmer zur Persönlichkeit und Unternehmen
zur Marke werden lassen. Ich wollte Sie mit Ausschnitt aus meinem Leben nicht langweilen
und freue mich, daß Sie durch die Bleiwüste bis hier gelesen haben. Schließlich
haben Sie von der Startseite bis hierher mindestens dreimal geklickt. Ich hoffe Sie konnten
mich und meine Beweggründe im Geschäftsleben kennen lernen.
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